Ayaan Hirsi Ali wird 1969 in Somalia geboren. Ihr Vater wird als Gegner der autoritären Regierung in Somalia 1972 in Haft genommen. Ayaan Hirsi Ali wächst bei Mutter und Großmutter auf und wird mit fünf Jahren, auf Veranlassung der Großmutter, Opfer weiblicher Genitalverstümmelung.
Im Alter von neun Jahren lebt Hirsi Ali für ein Jahr in Saudi Arabien – der Vater war zuvor aus der Haft entflohen. Hirsi Ali wird dort mit einer strikt religiösen Gesellschaft konfrontiert. Die Familie wird aufgrund der politischen Tätigkeiten des Vaters jedoch wieder ausgewiesen und geht zuerst nach Äthiopien, später nach Kenia. Der Vater ist weiterhin politisch aktiv und kümmert sich kaum um die Familie, was dazu führt, dass die Mutter ihren Frust an den Kindern auslässt. Die Mädchen besuchen eine muslimische Mädchenschule und erhalten Koranunterricht. Im Rahmen ihrer Schulausbildung kommt Hirsi Ali mit dem radikalen Islam in Berührung und wird zur Mitläuferin der Muslimbruderschaft. Gleichzeitig beginnt sie die vermittelten Geschlechterrollenverständnisse und Ungleichbehandlungen zwischen Männern und Frauen zu hinterfragen.
Nach Beendigung ihrer Ausbildung erlaubte die Mutter ihr nicht, einer Arbeit nachzugehen, da dies nicht ihrem Rollenverständnis der Frau entspricht. Der Vater arrangiert 1992 eine Ehe für Ayaan Hirsi Ali – sie soll einen unbekannten Cousin aus Kanada heiraten. Auf ihrem Weg nach Kanada bleibt sie in Europa und sucht um Asyl in den Niederlanden an, das ihr gewährt wird. Sie arbeitet anfangs als Hausbesorgerin, später als Dolmetscherin für unterschiedliche Behörden. Im Rahmen dieser Arbeit begegnet sie vermehrt muslimischen Frauen, die misshandelt oder verstoßen wurden.
Ab 1995 studiert sie Politikwissenschaft und arbeitet danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Wiardi-Beckman-Stiftung der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid.
1997 erhält Hirsi Ali die niederländische Staatsbürgerschaft. Sie legt ihr Glaubensbekenntnis ab und wird zunehmend bekannt für ihre harsche Kritik am Islam – vor allem in Hinblick auf die Unterdrückung der Frauen. Im Multikulturalismus sieht sie eine Ideologie, die die Unterdrückung der Frauen duldet und fördert. 2003 kandidiert sie für die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie und ist anschließend bis 2006 Abgeordnete im niederländischen Parlament.
Aufgrund ihrer kritischen Bemerkungen erhält Hirsi Ali immer wieder Morddrohungen und wird unter Polizeischutz gestellt. Ihre Aussagen sind oftmals provokant und alles andere als unumstritten, so bezeichnete sie beispielsweise 2003 die Einwanderungspolitik der Niederlande als „naiv und feige“ und forderte die zeitweise Einschränkung einiger Grundrechte, um das Problem des radikalen Islam lösen zu können (vgl. Diez 2015). 2004 wird der kontroversielle niederländische Filmregisseur und Satiriker Theo Van Gogh Opfer eines islamistischen Attentats. Van Gogh hatte in Hirsi Alis Kurzfilm „Submission“, der sich der Unterdrückung von Frauen im Islam widmet, Regie geführt. An seiner Leiche war eine Morddrohung für Ayaan Hirsi Ali befestigt. Diese lässt sich jedoch nicht davon einschüchtern.
2006 geht Hirsi Alis Name durch die Medien, als der breiten Öffentlichkeit bekannt wird, dass sie im Rahmen ihres Asylverfahrens falsche Angaben getätigt hat. Es folgt eine politische Affäre rund um ihre Staatsbürgerschaft sowie das Agieren der damaligen Ministerin für Integration und Immigration Rita Verdonk. In der Folge legt Hirsi Ali ihr politisches Mandat nieder.
Sie geht in die USA und wird Fellow des American Enterprise Institute. Im selben Zeitraum veröffentlicht sie ihre Autobiographie Infidel. Hirsi Ali ist verheiratet und Mutter eines Sohns. Seit 2013 besitzt sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeiten hat sie die AHA Foundation gegründet, um ehrbezogene Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.
Der Islam ist ein Todeskult, sagt die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali
Sie vergleicht Islamisten mit Nazis, bezeichnet den Islam als Religion der Armut und will mehr Härte gegen radikale Muslime. Für solche Sätze steht die berühmte Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali seit Jahren auf der Todesliste der Islamisten.
Ayaan Hirsi Ali, die wohl bekannteste Islamkritikerin und Frauenrechtlerin der Welt, steht seit 2002 unter Polizeischutz. Das war das Jahr, in dem sie erstmals die Orthodoxie des Islams kritisierte. Als 2004 ihr Freund, der Regisseur Theo van Gogh, in Amsterdam von einem Muslim erschossen wurde, fand man auf der Leiche einen Drohbrief gegen Hirsi Ali, befestigt mit einem Metzgermesser. Was ihre Lage nicht leichter gemacht hat.
Und dann ist sie da, begrüsst einen mit einem strahlenden Lächeln und freut sich über die Schweizer Schokolade, die man ihr als Geschenk überreicht. Sie will das Gespräch draussen führen, es sei ein so schöner Tag. Ein Umstand, der Mike in einige Aufregung versetzt, bis er schliesslich, nach einem Telefonat, seine Zustimmung gibt. Er wird während des Interviews auf einer Terrasse immer direkt hinter dem Interviewer stehen.
Ayaan Hirsi Ali
Sie erlebte am eigenen Leib, was es heissen kann, Muslima zu sein. Mit fünf Jahren wurden Ayaan Hirsi Ali auf Geheiss ihrer Grossmutter die äusseren Genitalien abgeschnitten – weil es Allah so verlange. Hirsi Ali aber begann sich zu wehren – und widersetzte sich etwa ihrer arrangierten Ehe. Auf dem Weg zu ihrem künftigen Mann in Kanada beantragte sie erfolgreich Asyl in den Niederlanden. Dort begann sie den Islam zu kritisieren, wurde Parlamentarierin – eine Affäre um ihre Staatsbürgerschaft führte zum Rücktritt der Regierung. Seit 2007 lebt sie in den USA und ist Begründerin einer NGO für Frauenrechte.
Der politische Islam kennt keinen Kompromiss
Wir werden die Sichtweise der Islamisten nicht verändern, indem wir mit ihnen reden oder sie verurteilen.
Islam„Gewalt ist Folge der Lehre Mohammeds“
„Der nicht-reformierte Islam ist keine Religion des Friedens“ – das sagt die Politikwissenschaftlerin Ayaan Hirsi Ali. Sie sieht eine klare Verbindung zwischen den Lehren des Korans und der Gewalt durch Islamisten. Im DLF forderte sie Muslime dazu auf, den Dschihad explizit zurückzuweisen.
Yascha Mounk - „Ich verstehe den Patriotismus als halbwildes Tier“
Unsere westlichen Demokratien befinden sich im Wandel: Von monoethnischen, monokulturellen Gesellschaften hin zu multiethnischen, multikulturellen. Der renommierte deutsch-amerikanische Politologe, Journalist (New York Times, Zeit Online u.a.) und Harvard-Dozent Yascha Mounk zeigt in seinem neuen Sachbuch »Das große Experiment. Wie Diversität die Demokratie bedroht und bereichert« (Droemer) nicht nur die Hindernisse, sondern auch die Chancen, auf die das Experiment einer diversen Gesellschaft trifft. Er liefert zugleich eine mögliche Anleitung für eine intakte multiethnische Demokratie. Klarsichtig und mit analytischer Schärfe widmet er sich den Argumenten, die von rechts und links kommen: eine wegweisende Verteidigung pluralistischer Prinzipien.
Das ARD-Interview mit dem in Deutschland aufgewachsenen, in New York lebenden Politologen Yascha Mounk ist ein Dokument von Bedeutung, denn es enthält entlarvende Äußerungen. Demnach sei einer der Gründe für den “Zerfall der Demokratie” (so der Titel von Mounks aktuellem Buch) und den Aufstieg des “Rechtspopulismus”, daß wir hier ein historisch einzigarti ges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multi ethnische zu verwandeln. Das kann klappen, das wird, glaube ich, auch klappen, dabei kommt es aber natürlich auch zu vielen Verwerfungen.
Nationalismus
In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung erklärte Mounk im Februar 2018, dass er seine Position zum Nationalismus geändert habe. Während er diesen früher als Relikt der Vergangenheit angesehen habe, das überwunden werden müsse, sprach er sich nun für einen „inklusiven Nationalismus“ aus, da ansonsten das brachliegende Feld des Nationalen von Menschen besetzt werde, denen ein aggressiver Nationalismus vorschwebe. In den Tagesthemen äußerte er, dass „wir“ hier ein „historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln“. In der Haaretz riet er dem „liberalen Lager“, sich den so verstandenen Nationalismus zu eigen zu machen, damit es den Menschen leichter falle, in einer multiethnischen und demokratischen Gesellschaft zu leben. „Der Schlüssel“ dazu sei, merkt er mit „einem ironischen Lächeln“ an, die Übernahme der populistischen Forderung, Menschen und Nationen sollten wieder das Gefühl bekommen, die Kontrolle über ihr Leben bzw. ihr Schicksal zu haben.
Migration
In der Migrationsfrage begrüßt Mounk die Zuwanderung aus fremden Kulturen nach Europa und die damit verbundenen Veränderungen ausdrücklich. Gegner einer multiethnischen Gesellschaft, die mit Hass darauf reagieren, sollen nach Mounk vom Staat wegen Hassverbrechen bestraft werden.
„Es ist ein historisch einzigartiges Experiment, eine Demokratie zu nehmen, die diese monoethnische Vorstellung von sich selber hatte, und sie in eine multiethnische Gesellschaft umzuwandeln."
Nun gibt es große Bevölkerungsteile, ich zähle mich da hinzu, die das willkommen heißen, die das wunderbar finden, die das richtig finden. Aber es gibt natürlich auch Teile der Gesellschaft, denen das Ängste bereitet und die sich dann dagegen aufbäumen. Das […] müssen wir offen anerkennen.“
– Yascha Mounk: Deutschlandfunk
„In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.“
– Yascha Mounk: Der Spiegel 40/2015
Damit hat ein Ideologe des “Remplacismus” (nach frz. remplacement = Ersetzung, Austausch, um es mit einem Begriff von Renaud Camus zu sagen) auf verblüffende Weise die Karten auf den Tisch gelegt. Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte sein. Das Besondere ist, daß Mounk nahezu wort- wörtlich formuliert, was im rechten Lager schon lange themati siert und kriti siert wird, aber immer noch als “Verschwörungstheorie” und Hirngespinst abgetan wird.
Europäische Union
Mounk empfiehlt, das Demokratiedefizit der EU anzugehen, indem das Europäische Parlament gegenüber dem Europäischen Rat und der EU-Kommission „viel mehr Macht“ bekommt und gleichzeitig Entscheidungen, die ebenso gut in nationalen Parlamenten getroffen werden könnten, an die Mitgliedstaaten zurückgegeben werden. Von der Idee einer „immer engeren Union“ sei abzurücken.
Identitätspolitik
Mounks Buch Im Zeitalter der Identität: Der Aufstieg einer gefährlichen Idee (2024) untersucht kritisch die Dynamiken und Konsequenzen von Identitätspolitik und Wokeness und stellt dabei heraus, wie aus anfänglich noblen Überzeugungen sektiererische Ideologien entstehen können. Mounk analysiert die theoretischen Grundlagen der Identitätspolitik, darunter postmoderne Machttheorien und postkoloniale Ansätze, und zeigt auf, wie diese in ihrer Radikalisierung zu einer Spaltung der Gesellschaft und der Unfähigkeit zur Bildung von Allianzen führen. Er kritisiert, dass die Identitätspolitik in ihrer extremen Form zu einer unfalsifizierbaren Ideologie mutiert, in der abweichende Meinungen nicht nur als sachlich falsch, sondern als moralisch verwerflich abgetan werden.Das Buch bietet eine maßvolle Auseinandersetzung mit den Übertreibungen der Identitätspolitik und plädiert für eine differenziertere Betrachtung.
ascha Mounk und ein “einzigartiges historisches Experiment”
Von Martin Lichtmesz
Das ARD-Interview mit dem in Deutschland aufgewachsenen, in New York lebenden Politologen Yascha Mounk ist ein Dokument von Bedeutung, denn es enthält entlarvende Äußerungen.
Demnach sei einer der Gründe für den “Zerfall der Demokratie” (so der Titel von Mounks aktuellem Buch) und den Aufstieg des “Rechtspopulismus”,
daß wir hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln. Das kann klappen, das wird, glaube ich, auch klappen, dabei kommt es aber natürlich auch zu vielen Verwerfungen.
Damit hat ein Ideologe des “Remplacismus” (nach frz. remplacement = Ersetzung, Austausch, um es mit einem Begriff von Renaud Camus zu sagen) auf verblüffende Weise die Karten auf den Tisch gelegt. Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte sein. Das Besondere ist, daß Mounk nahezu wortwörtlich formuliert, was im rechten Lager schon lange thematisiert und kritisiert wird, aber immer noch als “Verschwörungstheorie” und Hirngespinst abgetan wird.
Mounk bestätigt mehrere wichtige Punkte der Kritiker dieses Vorgangs:
1. Multikulturalismus ist ein Experiment ohne historische Präzedens. Was momentan in Westeuropa geschieht, ist also nicht “normal”, es ist nicht “Einwanderung, die es immer schon gab”, es ist nichts “Natürliches”. Damit liegt auf der Hand, worin das ethisch Verwerfliche dieser Politik liegt: Denn sind etwa Völker, Nationen, “Gesellschaften” Laborratten und Versuchskaninchen, an denen man sich “Experimente” mit ungewissem Ausgang erlauben darf? Was Mounk euphemistisch “Verwerfungen” nennt, bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als daß im schlimmsten Fall jene “Ströme von Blut” fließen werden, die Enoch Powell prophezeit hat.
2. Die ethnokulturelle Homogenität ist die historische Grundlage, die abgeräumt und aufgelöst werden soll. Die Vertreter des Multikulturalismus und Remplazismus drehen die Reihenfolge um, wenn sie behaupten, daß die “völkischen” Rechten diese Homogenität erst herstellen wollen, etwa durch ethnische Säuberungen. Dabei heben sie gerne die Tatsache hervor, daß die ethnokulturelle Einheit der westeuropäischen Nationen durch jahrzehntelange Masseneinwanderung bereits jetzt erheblich geschwächt und fragmentiert ist. Da diese “Homogenität” immer nur eine relative ist, ist das “Experiment” noch nicht beendet, solange das angestammte Volk weiterhin die Mehrheit stellt, und man noch immer von einer relativ homogenen Gesellschaft sprechen kann.
3. Ethnokulturelle Homogenität und Demokratie sind konzeptionell eng miteinander verbunden. Eine monokulturelle, monoethnische Demokratie ist der historische Normalfall (das gilt, historisch gesehen, nebenbei auch für ein Gebilde wie die USA), eine multiethnisch-multikulturelle Demokratie das “Experiment”, das historisch noch nie dagewesen ist und das mit einem utopistischen Fanatismus vorangetrieben wird.
Hier setzt die “populistische” Kritik am gegenwärtigen, verfälschten “Demokratie”-Begriff der herrschenden, multikulturalistisch orientierten Eliten an: Die Multikulturalisierung unterminiert ein wichtiges Fundament des demokratischen Nationalstaats, häuft eine bloße Bevölkerung an, die sich aus Gruppen unterschiedlichster Herkunft zusammensetzt, und die sich dennoch nach der Vorstellung der Ideologen als “demos”, “populus”, “Volk” erkennen sollen. Daß das gelingen kann, wird Tag für Tag von der Realität widerlegt.
An diesem Punkt taucht meistens die Rede von den berüchtigten “Werten” auf, die diese “Vielfalt” zu einer Einheit kitten sollen. Typisch ist etwa diese Zwitschermeldung von Heiko Maas:
Heimat wird für mich durch gemeinsame Werte bestimmt, nicht durch Herkunft oder Hautfarbe. Ein moderner Heimatbegriff darf nicht nur von ortsverbundenem Pathos geprägt sein, sondern auch von Ideen und Überzeugungen, die uns verbinden und die grenzenlos sein können.
Wer seinen Carl Schmitt gelesen hat, weiß, daß gerade die “Werte” eine äußerst polemogene Wirkung entfalten können. Die “Werte” des Heiko Maas etwa werden von einer erheblichen Anzahl von Deutschen abgelehnt (immer wieder lustig: die Amazon-Rezensionen seines Buches), und mit einem typischen ethnozentrisch und schariakonform denkenden arabischen Moslem wird der Noch-Justizminister auch nicht allzu viele Gemeinsamkeiten haben.
Die Vorstellung, daß es “Ideen und Überzeugungen” seien sollen, “die uns verbinden”, birgt in sich den Keim der Gleichschaltung und der geistigen Verödung – multiethnisch, aber monoideell ist die Devise. Demgegenüber sind Herkunft und “Hautfarbe” wesentlich effektivere und natürlichere Binde- und Solidaritätsmittel, die einen größeren Pluralismus zulassen.
Auf Twitter antwortete jemand schlau:
Was für ein aufgesetztes Gerede. Heimat ist das bayerische Dorf in dem ich aufgewachsen bin, dessen kleinbürgerliche Werte ich in kaum einer Weise teile, dessen Bewohner ich größtenteils nicht einmal leiden kann. Dennoch ist das meine Heimat, wohin auch immer mich das Leben führt.
4. Apart ist die Frage nach diesem “Wir”, das dieses “Experiment” durchführt. Bei allem Gerede über “Demokratie” hat man die westlichen Völker niemals danach gefragt, ob sie dieses Experiment überhaupt wollen, ja man hat ihnen nicht einmal die Wahrheit gesagt, daß ein solches überhaupt stattfindet. Man hat sie mit anderen Worte auf perfide Weise belogen. Erst jetzt, da der Prozeß vermutlich irreversibel geworden ist, wird brutaler Klartext gesprochen.
Ein weiteres Beispiel für diese Tendenz ist der Kommentar der deutsch-französischen Journalistin Joelle Stolz, der im Standard erschien. Darin wird die Umvolkung Europas, besonders durch Afrikanisierung, als unausweichliches und moralisch verdientes Schicksal hingestellt:
Jene, die unlängst in den sozialen Medien die Eltern des österreichischen Neujahrsbabys mit rassistischen Bemerkungen überhäuft haben, weil seine Mutter ein Kopftuch trug, sollten sich vorbereiten: Früher oder später wird das Neujahrsbaby schwarz sein. Denn eine “Begegnung” von erheblichem Ausmaß zwischen Europa und Schwarzafrika wird bald stattfinden.
In dreißig Jahren, warnt Stephen Smith in La ruée vers l’Europe. La jeune Afrique en route vers le Vieux Continent (“Ansturm auf Europa. Das junge Afrika auf dem Weg zum Alten Kontinent”; Grasset, 2018), könnten 150 Millionen Europäer afrikanischer Herkunft sein – Stand heute: neun Millionen. Es wäre naiv zu glauben, dass Länder ohne koloniale Vergangenheit in Afrika, wie Österreich, nicht betroffen wären.
Woraus Stolz, die ebenfalls unablässig vor dem “Rechtspopulismus” warnt, den Imperativ ableitet:
Was sicher ist: Die europäische Bevölkerung, die sich seit Jahrzehnten daran gewöhnt hat, am “richtigen” Ort der Welt geboren zu sein, und dieses Privileg genoss, muss nun Platz für andere machen.
“Muß”? Geht wohl nicht anders, denn ohne Aufschwärzung würden unsere Nachfahren, die uns nicht mehr ähneln werden, durch rassische Inzucht degenerieren, wie ein bedeutender deutscher Bio- und Bevölkerungspolitiker verlauten ließ.
Zur Erinnerung: Europa ist ein dicht besiedelter, überalterter Kontinent, in dem es nicht mehr viel “Platz” für “andere” gibt. Stolz redet hier unverhohlen dem Bevölkerungsaustausch das Wort, der letzten Endes, konform mit der Definition der UNO, nichts anderes als eine Form von Genozid ist.
2011 schrieb ich in “Die Verteidigung des Eigenen”:
Nun sind die dummen deutschen Michels unsanft im Prozeß der rapiden kulturellen, demographischen und territorialen Enteignung aufgewacht, verraten und verkauft von jenen, die ihren Willen vertreten und erfüllen sollten. Wenn sie nicht auch noch für ihre Schlafmützigkeit verhöhnt werden, wird ihnen bedeutet, dies alles als Kismet gefällig hinzunehmen. Guten Morgen! Game over! Leider Pech gehabt! Datum abgelaufen! Selber schuld! Tut uns leid, es gibt keine Alternative! Denkt nicht einmal daran! So etwas wie deutsche Selbstbehauptung ist ja undenkbar nach Siewissenschonwem, und nebenbei ist die Existenz einer deutschen Identität ohnehin schon längst von linken und migrationshintergründlerischen Soziologen »wissenschaftlich« widerlegt worden.
2009 schrieb Christopher Caldwell in seinem bislang unübersetzt gebliebenen einwanderungskritischem Buch Reflections on the Revolution in Europe: “Westeuropa wurde in einem Anfall von Geistesabwesenheit zu einer multi-ethnischen Gesellschaft.” Die Frage, ob Europa immer noch Europa bliebe, wenn es von “anderen Menschen” (etwa aus dem islamischen Kulturkreis) bevölkert wird, verneinte Caldwell entschieden (“Can Europe be the same with different people in it?”).
Robert Hepp schrieb damals in einer Besprechung:
Da er im ersten Kapitel über die Einwanderung das Fiasko der europäischen Ausländer- und Integrationspolitik gnadenlos seziert und im zweiten Kapitel die Intransigenz des Islams schonungslos schildert, haben viele oberflächliche Leser anscheinend den Eindruck gewonnen, der Autor habe eine Verteidigung Europas gegen die Invasoren im Sinn. Dabei stellt er schon auf den ersten Seiten klar, daß dies nicht seine Absicht ist.(…)
Die Kulpabilisierung (Erzeugung von Schuldgefühlen) der Eingeborenen, für die in England die systematische Anschwärzung des weißen Mannes sorgte, leistete in Deutschland die Kollektivscham wegen der Verfolgung der Juden. Hinter solchen psychologischen Motiven macht der Verfasser jedoch als die eigentlichen Gründe der Wehrlosigkeit der Europäer ihren religiösen und kulturellen Relativismus aus. „Ihre Toleranzgesetze“, schreibt er, „arbeiteten zugunsten der Intoleranten.“ Seltsamerweise scheint er als Amerikaner aber gleichwohl eine tiefe Genugtuung darüber zu empfinden, daß das alte Europa sich nun endlich auch in eine Gesellschaft von lauter Einwanderern verwandelt. Dies nämlich soll nach ihm letztlich das Ergebnis der „Revolution in Europa“ sein.
Nur geringfügig modifziert, könnten sich Mounks Sätze nun auch in dem Band “Revolte gegen den Großen Austausch” von Renaud Camus finden. In meinen Vorwort unterschied ich drei Stadien der linken Haltung gegenüber diesem Vorgang.
1. Auf Stufe 1 wird, wie bereits gesagt, der Bevölkerungsaustausch (bewirkt durch Masseneinwanderung, demographischen Schwund und Selbstbehauptungsschwäche) als “rechte Verschwörungstheorie” , rassistische Paranoia, oder Hirngespinst abgetan. Dabei wird ignoriert, daß der “große Austausch” im Sinne von Camus primär einen faktisch nachprüfbaren Vorgang beschreibt, während die Frage nach den Ursachen und Urhebern für den Autor sekundär ist. Sie kann auf verschiedene Arten beantwortet werden, wobei kaum daran zu zweifeln ist, daß es sich hierbei (inzwischen) um ein Elitenprojekt handelt, wenngleich diese Eliten selten so deutlich wie Mounk ihre Absichten preisgeben und sich eher hinter schick und humanitär klingenden Schlagwörtern wie “Diversity” verstecken.
2. Stufe 2 räumt ein, daß dieser Prozeß eine gewisse Realität hat, leugnet aber seine Signifikanz: Deutschland wird Deutschland bleiben, die Geburtenraten der Einwanderer werden sich durch Wohlstand und Assimilation einpendeln, die armen Arier (kicherhihi) werden schon nicht aussterben usw… Variante: Daß Deutschland immer »bunter« werde, sei eine unerhebliche Sache, dann wird es eben in Zukunft auch “dunkelhäutige”, moslemische oder afrikanischstämmige “Deutsche” geben, na und? Völker, Rassen und ethnische Identitäten seien ohnedies nur »Konstrukte«, die also keine eigentliche Existenz hätten.
3. Stufe 3 erkennt nicht nur die Realität des Vorgangs an, sondern bejaht sie enthusiastisch als historische Notwendigkeit und hoffnungsfrohe Zukunft, bis hin zum antideutschen oder antiweißen Rassismus, der unter all dem schönen Universalhumanitarismus immer wieder zum Vorschein kommt wie ein Bocksfuß: Das zukünftige Völkergemisch werde endlich eine universale Menschlichkeit und Menschheit verwirklichen, und im äußersten Fall wird das Verschwinden oder Schrumpfen des deutschen “Tätervolks” oder der “unterdrückerischen”, “rassistischen” weißen Rasse als Fortschritt und gerechte Wendung der Geschichte begrüßt.
Mounk befindet sich auf Stufe 3.
Schon 2015 äußerte Mounk in einem Interview mit dem Spiegel, in dem er den Prozeß des Bevölkerungsaustausches explizit mit der Flutung durch die “Flüchtlingskrise” in Verbindung setzte, identische Sätze:
Vor allem geht es um mehr als ein kurzes, fremdenfreundliches Sommermärchen. In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.
Damit hat ein Ideologe des “Remplacismus” (nach frz. remplacement = Ersetzung, Austausch, um es mit einem Begriff von Renaud Camus zu sagen) auf verblüffende Weise die Karten auf den Tisch gelegt. Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte sein. Das Besondere ist, daß Mounk nahezu wortwörtlich formuliert, was im rechten Lager schon lange thematisiert und kritisiert wird, aber immer noch als “Verschwörungstheorie” und Hirngespinst abgetan wird.
Mounk bestätigt mehrere wichtige Punkte der Kritiker dieses Vorgangs:
1. Multikulturalismus ist ein Experiment ohne historische Präzedens. Was momentan in Westeuropa geschieht, ist also nicht “normal”, es ist nicht “Einwanderung, die es immer schon gab”, es ist nichts “Natürliches”. Damit liegt auf der Hand, worin das ethisch Verwerfliche dieser Politik liegt: Denn sind etwa Völker, Nationen, “Gesellschaften” Laborratten und Versuchskaninchen, an denen man sich “Experimente” mit ungewissem Ausgang erlauben darf? Was Mounk euphemistisch “Verwerfungen” nennt, bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als daß im schlimmsten Fall jene “Ströme von Blut” fließen werden, die Enoch Powell prophezeit hat.
2. Die ethnokulturelle Homogenität ist die historische Grundlage, die abgeräumt und aufgelöst werden soll. Die Vertreter des Multikulturalismus und Remplazismus drehen die Reihenfolge um, wenn sie behaupten, daß die “völkischen” Rechten diese Homogenität erst herstellen wollen, etwa durch ethnische Säuberungen. Dabei heben sie gerne die Tatsache hervor, daß die ethnokulturelle Einheit der westeuropäischen Nationen durch jahrzehntelange Masseneinwanderung bereits jetzt erheblich geschwächt und fragmentiert ist. Da diese “Homogenität” immer nur eine relative ist, ist das “Experiment” noch nicht beendet, solange das angestammte Volk weiterhin die Mehrheit stellt, und man noch immer von einer relativ homogenen Gesellschaft sprechen kann.
3. Ethnokulturelle Homogenität und Demokratie sind konzeptionell eng miteinander verbunden. Eine monokulturelle, monoethnische Demokratie ist der historische Normalfall (das gilt, historisch gesehen, nebenbei auch für ein Gebilde wie die USA), eine multiethnisch-multikulturelle Demokratie das “Experiment”, das historisch noch nie dagewesen ist und das mit einem utopistischen Fanatismus vorangetrieben wird.
Hier setzt die “populistische” Kritik am gegenwärtigen, verfälschten “Demokratie”-Begriff der herrschenden, multikulturalistisch orientierten Eliten an: Die Multikulturalisierung unterminiert ein wichtiges Fundament des demokratischen Nationalstaats, häuft eine bloße Bevölkerung an, die sich aus Gruppen unterschiedlichster Herkunft zusammensetzt, und die sich dennoch nach der Vorstellung der Ideologen als “demos”, “populus”, “Volk” erkennen sollen. Daß das gelingen kann, wird Tag für Tag von der Realität widerlegt.
An diesem Punkt taucht meistens die Rede von den berüchtigten “Werten” auf, die diese “Vielfalt” zu einer Einheit kitten sollen. Typisch ist etwa diese Zwitschermeldung von Heiko Maas:
#Heimat wird für mich durch gemeinsame Werte bestimmt, nicht durch Herkunft oder Hautfarbe. Ein moderner Heimatbegriff darf nicht nur von ortsverbundenem Pathos geprägt sein, sondern auch von Ideen und Überzeugungen, die uns verbinden und die grenzenlos sein können.
Wer seinen Carl Schmitt gelesen hat, weiß, daß gerade die “Werte” eine äußerst polemogene Wirkung entfalten können. Die “Werte” des Heiko Maas etwa werden von einer erheblichen Anzahl von Deutschen abgelehnt (immer wieder lustig: die Amazon-Rezensionen seines Buches), und mit einem typischen ethnozentrisch und schariakonform denkenden arabischen Moslem wird der Noch-Justizminister auch nicht allzu viele Gemeinsamkeiten haben.
Die Vorstellung, daß es “Ideen und Überzeugungen” seien sollen, “die uns verbinden”, birgt in sich den Keim der Gleichschaltung und der geistigen Verödung – multiethnisch, aber monoideell ist die Devise. Demgegenüber sind Herkunft und “Hautfarbe” wesentlich effektivere und natürlichere Binde- und Solidaritätsmittel, die einen größeren Pluralismus zulassen.
Was für ein aufgesetztes Gerede. Heimat ist das bayerische Dorf in dem ich aufgewachsen bin, dessen kleinbürgerliche Werte ich in kaum einer Weise teile, dessen Bewohner ich größtenteils nicht einmal leiden kann. Dennoch ist das meine Heimat, wohin auch immer mich das Leben führt.
4. Apart ist die Frage nach diesem “Wir”, das dieses “Experiment” durchführt. Bei allem Gerede über “Demokratie” hat man die westlichen Völker niemals danach gefragt, ob sie dieses Experiment überhaupt wollen, ja man hat ihnen nicht einmal die Wahrheit gesagt, daß ein solches überhaupt stattfindet. Man hat sie mit anderen Worte auf perfide Weise belogen. Erst jetzt, da der Prozeß vermutlich irreversibel geworden ist, wird brutaler Klartext gesprochen.
Ein weiteres Beispiel für diese Tendenz ist der Kommentar der deutsch-französischen Journalistin Joelle Stolz, der im Standarderschien. Darin wird die Umvolkung Europas, besonders durch Afrikanisierung, als unausweichliches und moralisch verdientes Schicksal hingestellt:
Jene, die unlängst in den sozialen Medien die Eltern des österreichischen Neujahrsbabys mit rassistischen Bemerkungen überhäuft haben, weil seine Mutter ein Kopftuch trug, sollten sich vorbereiten: Früher oder später wird das Neujahrsbaby schwarz sein. Denn eine “Begegnung” von erheblichem Ausmaß zwischen Europa und Schwarzafrika wird bald stattfinden.
In dreißig Jahren, warnt Stephen Smith in La ruée vers l’Europe. La jeune Afrique en route vers le Vieux Continent (“Ansturm auf Europa. Das junge Afrika auf dem Weg zum Alten Kontinent”; Grasset, 2018), könnten 150 Millionen Europäer afrikanischer Herkunft sein – Stand heute: neun Millionen. Es wäre naiv zu glauben, dass Länder ohne koloniale Vergangenheit in Afrika, wie Österreich, nicht betroffen wären.
Woraus Stolz, die ebenfalls unablässig vor dem “Rechtspopulismus” warnt, den Imperativ ableitet:
Was sicher ist: Die europäische Bevölkerung, die sich seit Jahrzehnten daran gewöhnt hat, am “richtigen” Ort der Welt geboren zu sein, und dieses Privileg genoss, muss nun Platz für andere machen.
Nun sind die dummen deutschen Michels unsanft im Prozeß der rapiden kulturellen, demographischen und territorialen Enteignung aufgewacht, verraten und verkauft von jenen, die ihren Willen vertreten und erfüllen sollten. Wenn sie nicht auch noch für ihre Schlafmützigkeit verhöhnt werden, wird ihnen bedeutet, dies alles als Kismet gefällig hinzunehmen. Guten Morgen! Game over! Leider Pech gehabt! Datum abgelaufen! Selber schuld! Tut uns leid, es gibt keine Alternative! Denkt nicht einmal daran! So etwas wie deutsche Selbstbehauptung ist ja undenkbar nach Siewissenschonwem, und nebenbei ist die Existenz einer deutschen Identität ohnehin schon längst von linken und migrationshintergründlerischen Soziologen »wissenschaftlich« widerlegt worden.
2009 schrieb Christopher Caldwell in seinem bislang unübersetzt gebliebenen einwanderungskritischem Buch Reflections on the Revolution in Europe: “Westeuropa wurde in einem Anfall von Geistesabwesenheit zu einer multi-ethnischen Gesellschaft.” Die Frage, ob Europa immer noch Europa bliebe, wenn es von “anderen Menschen” (etwa aus dem islamischen Kulturkreis) bevölkert wird, verneinte Caldwell entschieden (“Can Europe be the same with different people in it?”).
Da er im ersten Kapitel über die Einwanderung das Fiasko der europäischen Ausländer- und Integrationspolitik gnadenlos seziert und im zweiten Kapitel die Intransigenz des Islams schonungslos schildert, haben viele oberflächliche Leser anscheinend den Eindruck gewonnen, der Autor habe eine Verteidigung Europas gegen die Invasoren im Sinn. Dabei stellt er schon auf den ersten Seiten klar, daß dies nicht seine Absicht ist.(…)
Die Kulpabilisierung (Erzeugung von Schuldgefühlen) der Eingeborenen, für die in England die systematische Anschwärzung des weißen Mannes sorgte, leistete in Deutschland die Kollektivscham wegen der Verfolgung der Juden. Hinter solchen psychologischen Motiven macht der Verfasser jedoch als die eigentlichen Gründe der Wehrlosigkeit der Europäer ihren religiösen und kulturellen Relativismus aus. „Ihre Toleranzgesetze“, schreibt er, „arbeiteten zugunsten der Intoleranten.“ Seltsamerweise scheint er als Amerikaner aber gleichwohl eine tiefe Genugtuung darüber zu empfinden, daß das alte Europa sich nun endlich auch in eine Gesellschaft von lauter Einwanderern verwandelt. Dies nämlich soll nach ihm letztlich das Ergebnis der „Revolution in Europa“ sein.
Nur geringfügig modifziert, könnten sich Mounks Sätze nun auch in dem Band “Revolte gegen den Großen Austausch” von Renaud Camus finden. In meinen Vorwort unterschied ich drei Stadien der linken Haltung gegenüber diesem Vorgang.
1. Auf Stufe 1 wird, wie bereits gesagt, der Bevölkerungsaustausch (bewirkt durch Masseneinwanderung, demographischen Schwund und Selbstbehauptungsschwäche) als “rechte Verschwörungstheorie” , rassistische Paranoia, oder Hirngespinst abgetan. Dabei wird ignoriert, daß der “große Austausch” im Sinne von Camus primär einen faktisch nachprüfbaren Vorgang beschreibt, während die Frage nach den Ursachen und Urhebern für den Autor sekundär ist. Sie kann auf verschiedene Arten beantwortet werden, wobei kaum daran zu zweifeln ist, daß es sich hierbei (inzwischen) um ein Elitenprojekt handelt, wenngleich diese Eliten selten so deutlich wie Mounk ihre Absichten preisgeben und sich eher hinter schick und humanitär klingenden Schlagwörtern wie “Diversity” verstecken.
2. Stufe 2 räumt ein, daß dieser Prozeß eine gewisse Realität hat, leugnet aber seine Signifikanz: Deutschland wird Deutschland bleiben, die Geburtenraten der Einwanderer werden sich durch Wohlstand und Assimilation einpendeln, die armen Arier (kicherhihi) werden schon nicht aussterben usw… Variante: Daß Deutschland immer »bunter« werde, sei eine unerhebliche Sache, dann wird es eben in Zukunft auch “dunkelhäutige”, moslemische oder afrikanischstämmige “Deutsche” geben, na und? Völker, Rassen und ethnische Identitäten seien ohnedies nur »Konstrukte«, die also keine eigentliche Existenz hätten.
3. Stufe 3 erkennt nicht nur die Realität des Vorgangs an, sondern bejaht sie enthusiastisch als historische Notwendigkeit und hoffnungsfrohe Zukunft, bis hin zum antideutschen oder antiweißen Rassismus, der unter all dem schönen Universalhumanitarismus immer wieder zum Vorschein kommt wie ein Bocksfuß: Das zukünftige Völkergemisch werde endlich eine universale Menschlichkeit und Menschheit verwirklichen, und im äußersten Fall wird das Verschwinden oder Schrumpfen des deutschen “Tätervolks” oder der “unterdrückerischen”, “rassistischen” weißen Rasse als Fortschritt und gerechte Wendung der Geschichte begrüßt.
Mounk befindet sich auf Stufe 3.
Schon 2015 äußerte Mounk in einem Interview mit dem Spiegel, in dem er den Prozeß des Bevölkerungsaustausches explizit mit der Flutung durch die “Flüchtlingskrise” in Verbindung setzte, identische Sätze:
Vor allem geht es um mehr als ein kurzes, fremdenfreundliches Sommermärchen. In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.
Yascha Mounk und ein “einzigartiges historisches Experiment”